Wenn das Gehirn „Nö, kein Bock“ sagt
Gestern bin ich auf einer eigentlich spannenden Website gelandet und mein Gehirn hat sofort abgeschaltet. Wie immer wollte ich wissen, warum. Denn am Inhalt lag es ja nicht.

Also habe ich genauer hingesehen, warum mein Gehirn so schnell ausgestiegen ist:
- sehr kleine Schrift, sehr lange Zeilen
- viele Banner und Call-to-Actions
- hoher Kontrast zwischen weißem Hintergrund und schwarze Schrift
- kaum visuelle Struktur im Text (Absätze, Hervorhebungen, Aufzählungen)
Mit frischer Konzentration kein Problem gewesen, dran zu bleiben. Aber wir sind alle dauer-erschöpft von zu viel Input und solche Seiten (oder Broschüren, Info-Flyer… you name it) sind leider keine Einzelfälle.
Und genau hier beginnt Verantwortung in Gestaltung. Denn gute Gestaltung bedeutet auch, kognitive Erschöpfung ernst zu nehmen und Informationen so bereitzustellen, dass unser Gehirn sie flüssig verarbeiten kann.
Wie leicht kann unser Gehirn Informationen aufnehmen und verstehen?
In der UX- und Neuroforschung spricht man hier von Processing Fluency oder Verarbeitungsflüssigkeit (klingt super fancy und ich liebe es!).
Hohe Fluency bedeutet, dass Inhalte schnell, mühelos und angenehm verarbeitet werden können. Niedrige Fluency hingegen erzeugt Frust, Verwirrung oder sogar komplettes Abschalten (hello, here we are!).
Ein paar konkrete Hebel, um Processing Fluency zu erhöhen:
- Lesbarkeit optimieren: Schriftgröße, Zeilenlänge, Zeilenabstand, Kontrast.
- Visuelle Struktur schaffen: Absätze, Überschriften, Hervorhebungen, Bullet Points.
- Konzentration lenken: Weniger Ablenkungen, klare Call-to-Actions, konsistente Layouts.
- Chunking: Texte in kleine, verständliche Einheiten zerlegen.
Nice to know: Die Gestaltung von Text, wie es LLMs wie ChatGPT oder Claude machen, nennt man Text Chunking und ist eine Methode, Texte zugänglicher und barriereärmer zu machen. Dieses Vorgehen wurde in den 1950ern von George A. Miller erfroscht und ist somit (zumindest für mich) kein Indikator für KI-generierte Texte. Sondern einfach eine Schreibweise, um Information flüssig verarbeiten zu können.
Für mich bedeutet das: Websites (und Inhalte allgemein), die nicht nur hübsch aussehen, sondern auch…
… durchdacht und zielführend,
… zugänglich und inklusiv,
… nachhaltig und selbstbestimmt sind.
Wenn du also merkst, dass dein Content gut ist, aber dein Design erschöpft, lohnt es sich, die Verarbeitungsflüssigkeit ernst zu nehmen. Dein Gehirn wird es dir danken.
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In diesem Text teile ich meine ersten Gedanken und Beobachtungen. Falls du jetzt schon weiterlesen willst, kann ich dir diese Beiträge empfehlen:
