Inhalt:
- Das Netz gehört allen.
- Digitale Inhalte brauchen Wurzeln.
- Nachhaltigkeit ist ein Grundprinzip.
- Zeit ist wertvoller als Klicks.
- Digitale Räume sind Gemeinschaftsorte.
- Vielfalt braucht Dezentralität.
- Ethische Gestaltung schafft Vertrauen.
- Digitale Selbstbestimmung ist ein Grundrecht.
- Langlebigkeit heißt Verantwortung übernehmen.
Präambel: Warum das Manifest?
Das Internet hat das Potenzial, Wissen zu teilen, Menschen zu verbinden und Kreativität zu entfalten. Doch zu oft wird es von kurzfristigen Gewinnen, Manipulation und Ressourcenverschwendung geprägt. Dieses Manifest ist ein Plädoyer für ein nachhaltig, zugänglich und verantwortungsvoll gestaltetes Internet, das Menschen dient statt ausbeutet.
Die folgenden Prinzipien sind kein Dogma, sondern vielmehr eine Einladung, etwas zu ändern. Sie verbinden bestehende Denkrichtungen wie Slow Web (externer Link), Indie Web (externer Link) und praktische Webgestaltung (externer Link) zu einem systemischen Ansatz, der soziale, ökologische, ökonomische und kulturelle Aspekte zusammendenkt.
Ziel ist ein Web, das langfristig nutzbar bleibt und digitale Selbstbestimmung stärkt.
An wen richtet sich das Manifest?
Dieses Manifest richtet sich an alle, die das Netz mitgestalten:
- Gestaltende, die diese Prinzipien in ihrer täglichen Arbeit umsetzen.
- Unternehmen und Organisationen, die Strukturen schaffen, damit verantwortungsvolle digitale Gestaltung möglich wird.
- Nutzer*innen, die bewusst Plattformen und Tools wählen und damit Haltung zeigen.
Die Verantwortung liegt auf allen Ebenen und niemand kann alles allein ändern. Wir können aber irgendwo anfangen.
Aus diesen Überzeugungen habe ich „die 9 Prinzipien für ein gutes Web“ abgeleitet, die auch die Grundlage für meine eigene Arbeit bilden.
Sie beschreiben:
- Positiver Outcome: Warum profitieren wir als Nutzer_innen, Gestaltende oder Unternehmer_innen davon? Warum ist ein anderes Internet nötig?
- Aktuelle Probleme: Was läuft gerade falsch? In welche Richtung entwickelt sich das Web?
- Handlungsperspektiven: Wie können wir die aktuellen Probleme in der Praxis lösen?
Ok, let’s go!
1. Das Netz gehört allen.
Das Internet ist ein Grundrecht. Der Zugang dazu soll barrierefrei, inklusiv und gerecht für alle Menschen, mit all ihren unterschiedlichen Herausforderungen, sein.
Positiver Outcome: Alle Menschen können digitale Angebote nutzen, unabhängig von Fähigkeiten, Einkommen oder Herkunft. Barrierefreiheit schafft dabei Teilhabe und Vertrauen.
Aktuelle Probleme: Viele Websites und Apps sind schwer zugänglich. Designentscheidungen berücksichtigen häufig nur einen kleinen Nutzerkreis, digitale Spaltung wächst.
Handlungsperspektiven:
- Accessibility-Standards (WCAG) einhalten und inklusive Inhalte gestalten
- Unterschiedliche Endgeräte und Nutzungsszenarien testen
- MIT Betroffenen gestalten und nicht nur FÜR
- Kooperative Gestaltung
2. Digitale Inhalte brauchen Wurzeln.
Veröffentlichte Inhalte, die Wissen weitergeben, braucht Tiefe, Kontext und Nachvollziehbarkeit bzw. Transparenz.
Positiver Outcome: Nutzer*innen finden relevante, nachvollziehbare Informationen, die frei verfügbar sind, Wissen vertiefen und Orientierung geben.
Aktuelle Probleme: Viele Inhalte sind oberflächlich, nicht überprüft oder werden algorithmisch priorisiert, um Klickzahlen zu maximieren, statt Mehrwert zu liefern. Massenhafte (KI-generierte) Inhalte führen zu Content Pollution und Information Overload.
Handlungsperspektiven:
- Quellen transparent machen und Kontext liefern
- Langlebige Inhalte statt schnelllebiger Masse erstellen
- Redaktionelle Richtlinien etablieren
3. Nachhaltigkeit ist ein Grundprinzip.
Ein zukunfstfähiges Internet berücksichtigt ökologische Auswirkungen. Von der Datenmenge über den Serverbetrieb bis hin zur Hardware (Elektroschrott, geplante Obsoleszenz, Right to Repair). Das Web soll wachsen, ohne Umwelt und Ressourcen zu überlasten. Es muss zukunftsfähig gedacht werden und die Frage beantworten, wie es sich in unsere Ökosysteme integrieren kann.
Positiver Outcome: Wir alle profitieren von einem ressourcenschonenden Internet, das die Autonomie seiner Nutzer*innen schützt: Es bleibt – unabhängig von neuesten Geräten, Plattformen oder kurzfristigen Trends – zugänglich, verlässlich und nutzbar. Ein nachhaltiges Web respektiert Energie, Aufmerksamkeit und Daten, stärkt die digitale Selbstbestimmung, soziale Teilhabe und langfristige Resilienz in einer sich verändernden Welt.
Aktuelle Probleme: Hoher Energieverbrauch durch schlecht optimierte Websites, unnötige Datenlast und schnelllebige Plattformen mit hoher Serverbelastung. Viele Rechenzentren laufen mit fossiler Energie.
Handlungsperspektiven:
- Effizientes Coding
- Green Hosting nutzen
- Inhalte und Services schlank halten
- Recycling von Daten und Inhalten fördern
4. Zeit ist wertvoller als Klicks.
Plattformen und digitale Angebote sollen auf Qualität statt Quantität ausgelegt sein.
Positiver Outcome: Nutzer*innen können sich auf relevante Inhalte konzentrieren und erleben digitale Angebote als hilfreich statt überfordernd.
Aktuelle Probleme: Informationsüberflutung, Clickbait, endlose Scroll-Mechanismen und Push-Notifications führen zu Stress und Ablenkung.
Handlungsperspektiven:
- Klare Informationsarchitektur
- Priorisierung von Mehrwert
- Bewusste Reduktion von Ablenkungen
5. Digitale Räume sind Gemeinschaftsorte.
Sie sollen Begegnung, Austausch und Gemeinschaft fördern und nicht Konsum und Wettbewerb.
Positiver Outcome: Nutzer*innen erleben Austausch, Inspiration und Verbundenheit. Digitale Angebote fördern soziale Interaktion.
Aktuelle Probleme: Plattformen begünstigen oberflächlichen Konsum, Echokammern und toxisches Verhalten statt konstruktiver Kommunikation.
Handlungsperspektiven:
- Klare Community-Regeln aufstellen und diese durchsetzen
- Partizipative Funktionen anbieten
- Interaktionsmöglichkeiten moderieren und fördern
6. Vielfalt braucht Dezentralität.
Die Konzentration von Macht bei wenigen Plattformen schwächt Demokratie und Kreativität. Sie lässt sich fairer verteilen, wenn vielfältige und dezentrale Angebote genutzt werden.
Positiver Outcome: Nutzer*innen profitieren von einer größeren Auswahl, fairer Verteilung von Macht und mehr Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern.
Aktuelle Probleme: Konzentration auf wenige große Plattformen, Monopolstrukturen, eingeschränkte Sichtbarkeit von Nischeninhalten.
Handlungsperspektiven:
- Open-Source-Lösungen fördern
- Interoperable Plattformen unterstützen
- Dezentrale Standards einsetzen
Ein Beispiel, weil dieser Punkt sehr abstrakt ist: Statt nur auf Instagram zu posten, kannst du auch einen eigenen Blog führen. Statt nur Google zu nutzen, kannst du alternative Suchmaschinen ausprobieren.
7. Ethische Gestaltung schafft Vertrauen.
Dark Patterns, Manipulation und sogenanntes Growth Hacking widersprechen einer menschzentrierten digitalen Kultur. Gestaltung, die Menschen manipuliert, kann Gemeinschaft und Vertrauen nicht stärken.
Positiver Outcome: Nutzer*innen behalten die Kontrolle, fühlen sich respektiert und können Entscheidungen bewusst treffen.
Aktuelle Probleme: Dark Patterns, manipulative Interface-Designs, unfaire Datenpraktiken und versteckte Monetarisierungsstrategien.
Handlungsperspektiven:
- Transparente Designentscheidungen treffen
- Tests auf Nutzerfreundlichkeit durchführen
- Fokus auf menschenzentrierte Gestaltung legen
8. Digitale Selbstbestimmung ist ein Grundrecht.
Jede*r hat das Recht auf Kontrolle über eigene Daten, Inhalte und digitale Identität.
Positiver Outcome: Nutzer*innen haben Kontrolle über ihre Daten, Inhalte und Identität, was Vertrauen und Sicherheit stärkt.
Aktuelle Probleme: Zunehmende Datensammlung, Tracking, Intransparenz bei Algorithmen, Verlust der Privatsphäre.
Handlungsperspektiven:
- Datenschutzfreundliche Tools nutzen
- Datensparsame Anwendungen entwickeln bzw. bevorzugen
- Klare Hinweise zu Datennutzung geben
9. Langlebigkeit heißt Verantwortung übernehmen.
Digitale Angebote sind dann wertvoll, wenn sie langfristig gedacht und verantwortungsvoll gepflegt werden.
Positiver Outcome: Nutzer*innen profitieren von stabilen, verlässlichen und skalierbaren Angeboten, die langfristig Wert schaffen.
Aktuelle Probleme: Schnelllebige Trends, geplante Obsoleszenz, Inhalte und Plattformen, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden.
Handlungsperspektiven:
- Inhalte modular aufbauen
- Nachhaltige Technologien nutzen
- Inhalte kontinuierliche warten und pflegen
- Strategisch planen jenseits kurzfristiger Gewinne
Was kannst du jetzt tun?
- Lebe die Prinzipien als Gestaltender, Unternehmen oder Nutzer*in vor und zeige, dass ein nachhaltiges, inklusives Web möglich ist.
- Teile das Manifest und inspiriere andere, das Netz verantwortungsvoll zu gestalten. Verlinke mich gerne bei LinkedIn (externer Link).
- Abonniere meinen Newsletter, um Updates, Tipps und Best Practices direkt zu bekommen.
Das Manifest wächst weiter
Dieser Text ist die erste Version des Manifests. Ich sehe es als lebendiges Dokument, das veränderbar ist und mit meiner Arbeit mitwächst.
Auch du kannst zum Manifest für ein gutes Web beitragen, damit wir gemeinsam ein besseres Internet gestalten. Ich bin gespannt auf deine Idee!
